Ein Herbstausflug nach Hennigsdorf

Auch wenn der leichte Herbstregen dem Gold der Blätter das Glänzen zu nehmen versucht, genießen wir die Fahrt mit der S-Bahn. Vorbei an Fabrikgebäuden aus der Jahrhundertwende, dem nördlichen Berlin, dem Heiligensee und Waldstücken erreichen wir Hennigsdorf.

Besuch im historischen Museum

Zwar ist der Sonntagnachmittag eher ruhig in der 25.000-Seelen-Stadt, aber wir wollen ja auch ein bisschen Auslauf und dem Trubel der Großstadt entkommen.  Doch bevor wir uns auf einen Rundgang durch Hennigsdorf machen, starten wir mit einem Abstecher in die kleine stadthistorische Ausstellung im alten Rathaus, denn wenn wir schon mal da sind, dann wollen wir doch auch ein bisschen mehr über die Stadt wissen. Ein klein wenig sind wir schon informiert über die Stadtgeschichte durch die Ausstellung auf dem Rathausplatz, die uns neugierig auf mehr gemacht hat. Denn ich muss zugeben: gut kenne ich mich nicht im Umland von Berlin aus. Ich wusste zwar, dass in Hennigsdorf S- und Eisenbahnen gebaut wurden und werden, aber erst in der kleinen, aber gelungenen historischen Ausstellung lerne ich, dass die AEG hier Flugzeuge hergestellt hat und dass hier, ebenfalls von der AEG, im großen Stil Stahl gewalzt wurde. Und ebenso, entgegen unserer Erwartung, dass die Stadt in der Mauerzeit sogar noch gewachsen ist, obwohl die jahrhundertealten Verbindungen nach Berlin und Spandau gekappt wurden.

Der Wachturm

Nach der kleinen Besichtigung machen wir uns auf zum Wachturm aus Mauerzeiten, nach Nieder Neuendorf. Leider ist es schon zu spät im Jahr, deshalb ist die Ausstellung im Turm geschlossen – die werden wir uns dann im nächsten Jahr anschauen, denn Freunde haben sie uns empfohlen. Aber auch so ist der Turm spektakulär und regt die Vorstellung an, wie es hier noch vor 30 Jahren aussah und wie stark Hennigsdorf von der Teilung betroffen war.

Dann geht’s noch ans Wasser, wir wollen uns die alte Lebensader der Stadt anzuschauen, die Havel, und den Stadthafen. Wenn ich vorher richtig recherchiert habe, wird sich hier in nächster Zeit noch einiges tun und Hennigsdorf wird als Yacht- und Bootsstandort weiter wachsen. Leider ist es überraschend kalt geworden und ein Wind aufgekommen, so dass meine Frau doch nicht weiter am Wasser langlaufen möchte.

Kulinarisches

Wir nutzen deshalb das Wetter als Ausrede und schauen uns die kulinarischen Seiten Hennigsdorfs an, eine kurze Suche bei Tripadvisor führt uns in Hennigsdorfs bestbewertetes Restaurant, die Buhne. Zwar müssen wir noch ein bisschen Weg zurücklegen, aber glücklicherweise kommt gerade ein Bus und wir sind schnell im Warmen.

Die Buhne ist schon schee, es handelt sich um einen ehemaligen Geschenkeladen – das erklärt dann auch das Dekor: verspielte Dekorationen, rustikaler Style in einem alten Landhaus mit Scheune. Die idyllische Einrichtung soll allerdings nicht den Blick verstellen auf eine hervorragende – auch hervorragend angerichtete – Küche. Wenn man in der Buhne ist, stellt man fest: Hennigsdorf muss sich kulinarisch nicht vor Berlin verstecken. Die Buhne ist deshalb auch eine echte Empfehlung für alle Nordberliner – man muss manchmal nur ein bisschen über die eigenen Grenzen hinausschauen, um die Perlen zu finden. Allerdings sei angemerkt, auch die Preise können sich mit Berlin messen. Dann stellt man fest: Brandenburg ist halt auch nicht billig J

Zurück in den Prenzlauer Berg

Nach dem erfolgreichen Auftritt auf der Buhne sind wir voll, zufrieden und leicht beschwingt und machen uns wieder auf dem Heimweg. Der Prenzlauer Berg, unser Zuhause ist zum Glück nicht so weit entfernt, die S-Bahn steht schon da. Wir werden sicher noch einmal nach Hennigsdorf kommen, so nah wie die Stadt an Berlin dran ist.